Nur ein geringer Teil von Frauen ist in MINT-Berufen beschäftigt. Nach einer Statistik der Agentur für Arbeit (siehe Bundesagentur für Arbeit (2019), S.4) liegt der Anteil von Frauen, die 2019 in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik tätig sind, bei gerademal 15,4%.

Für all diese Bereich stellt Mathematik eine wesentliche Voraussetzung dar, sei es in Form von Berechnungen, Problemlösungen oder mathematischen Begrifflichkeiten. Da Jungen und Mädchen im schulischen Verlauf ähnlich gute Leistungsergebnisse in Mathematik zeigen (siehe etwa Hyde, Fennema, Ryan, Frost & Hopp, 1990; Else-Quest, Hyde & Linn, 2010), reicht das mathematikbezogene Stereotyp „Mathematik ist eben etwas für Jungs“ nicht aus, um diesen gender gap zu erklären – es muss eine andere Begründung für die unausgewogenen Anteile von Männern und Frauen in MINT-Berufen geben. Ein möglicher Faktor, der diese Entwicklung mit begünstigt, kann im Konstrukt der Mathematikangst gesehen werden.

Bei Mathematikangst handelt es sich um eine negative Emotion, die mit dem Gefühl der Anspannung, Sorge und Furcht einhergeht und speziell in Situationen auftritt, in denen die betroffene Person mit mathematischen Inhalten konfrontiert wird (vgl. Beilock, Willingham, 2014). Mathematikangst wurde u.a. bereits in mehreren PISA-Studien untersucht und kann sich je nach Intensität auf das allgemeine Wohlbefinden, die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses und damit auf die Leistung sowie im weiteren Verlauf auf die spätere Studien- und Berufswahl auswirken.

In zahlreichen Studien (siehe etwa Hyde, Fennema, Ryan, Frost & Hopp, 1990; Else-Quest, Hyde & Linn, 2010) konnte bereits nachgewiesen werden, dass Mädchen eine gesteigerte Disposition zeigen, ängstlich auf mathematische Problemlösungen, Berechnungen und damit auch auf Leistungssituationen im Bereich Mathematik zu reagieren. Gründe für diese asymmetrische Entwicklung können sicherlich u.a. in der Art und Weise gesehen werden, wie Eltern ihre Kinder erziehen. Hinzu kommen jedoch auch in der Gesellschaft kursierende Geschlechter-Stereotype wie „Mathematik ist nichts für Frauen“, die sich auf das Selbstwertkonzept der Mädchen und Frauen auswirken. In den Studien von Goetz et al (2013) und Bieg et al. (2015) konnte genau dieser Zusammenhang bestätigt werden:

Nach ihren Ergebnissen kann stark ausgeprägte Mathematikangst bei Mädchen über ein geringeres mathematisches Selbstkonzept erklärt werden. Umgekehrt kann jedoch auch ein stark ausgeprägtes mathematisches Selbstkonzept bei Mädchen eine Schutzfunktion vor dem negativen Einfluss mathematikbezogener Genderstereotype und damit auch vor Mathematikangst darstellen.

Die Kurse des MINSTIUTs zielen daher auf beides ab: Wir wollen durch verschiedene Methoden das mathematische und naturwissenschaftliche Selbstkonzept junger Frauen und Mädchen stärken, auf diese Weise der Entstehung von Mathematikangst entgegenwirken und eine freie Entfaltung von Frauen und Mädchen in MINT-Bereichen begünstigen.

Elisa schreibt ihre Abschlussarbeit über die Verbindung von Mathematikangst und Geschlecht.

Beilock, Sian L.; Willingham, Daniel T. (2014): Ask The Cognitive Scientist – Math Anxiety: Can Teachers Help Students Reduce It?, in „American Educator“, Summer 2014, S.28-43.

Bieg, Madeleine; Goetz, Thomas; Wolter, Ilka; Hall, Nathan C. (2015): Gender stereotype endorsement differentially predicts girls ́ and boys ́ state-trait discrepancy in math anxiety, in „Frontiers in Psychology“; 6 (2015) – 1404, URL:http://dx.doi.org/10.3389/fpsyg.2015.01404.

Else-Quest, N.M.; Hyde, J.S.; & Linn, M.C. (2010): Crossnational patterns of gender differences in mathematics; A meta-analysis, Psychological Bulletin, 136, S.103-127.

Goetz, Thomas; Bieg, Madeleine; Lüdtke, Oliver; Pekrun, Reinhard; Hall, Nathan C. (2013): Do Girls Really Experience More Anxiety in Mathematics?, in „Psychological Science“, 24 (2013), 10, S.2079-
2087.

Hyde, J.S.; Fennema, E.; Ryan, M.; Frost, L. A., & Hopp, C. (1990): Gender comparisons of mathematics attitudes and affect: A meta analysis, Psychology of Women Quarterly, 14, S-299-324.

Statistik der Bundesagentur für Arbeit Berichte: Blickpunkte Arbeitsmarkt – MINT-Berufe, Nürnberg, August 2019.

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